Zu zweit alleinWir, 22 Jahre, Studentinnen und Singles sind überzeugt: Ohne Freund lebt
sich’s leichter! Wären da nicht die ein oder anderen Störfaktoren. Zum
Beispiel der Valentinstag.
Ein Grauen für uns Singles: Eine neue unerträgliche Herzschmerz-Schnulze im
Kino; Pärchen, die sich an der Bushaltestelle gegenseitig so sehr abknutschen
- als wäre das die neueste Methode der Kariesentfernung; und zu allem
Überfluss auch noch Valentinstag. Der 14. Februar. Das bedeutet Pralinen in
Herzschatullen bis zum Erbrechen, rote Rosen zu Wucherpreisen und kleine
hässliche Stofftiere, die „I love u" über den ganzen Körper tätowiert haben.
Und kaum ist das überstanden, steht auch schon der Frühling vor der Tür und
prompt meint alle Welt, von überschäumenden Lustgefühlen gekitzelt zu
werden.
„Zum Kotzen“, findet meine beste Freundin Saskia aus Dortmund. Der einzige
Mann in ihrem Leben: Ein Kater namens Mounty. Drei Semester an der Uni
und jede Menge männliches Frischfleisch konnten an dieser Tatsache nicht
viel ändern. Die Standardauswahl: Der Mathematiker im karierten Flanellhemd
kombiniert mit Bundfaltenhose, der Philosophiestudent im Öko-Style oder
doch der BWL-Schnösel im babyrosafarbigen Lacoste-Poloshirt und gegeltem
Iro à la David Beckham? Nicht wirklich!
Wir haben es satt! Genauso haben wir die mitleidigen Blicke satt, die über-
beide-Ohren verliebte Mitmenschen meinen, uns zuwerfen zu müssen. Die
Wahrheit ist: Eigentlich sollten Pärchen uns beneiden. Denn wir sind frei,
unabhängig und müssen niemandem Rechenschaft ablegen.
Ja, ja – jetzt kommt wieder die alte Leier, wir seien einfach nur frustriert.
Keine Spur! Okay, der Schokoladenkonsum hat sich nach Saskias letzter
Fehlentscheidung, doch ein männliches Wesen in ihr Leben treten zu lassen,
enorm gesteigert. Abstrakte Kunstdrucke von „Ikea“ ersetzen die einst mit
Fotos vom Liebsten zugepflasterten Wände.
Aber: als Singles lassen wir uns auf keine Kompromisse mehr ein! Wir
bestellen uns Sushi vom Asiaten, anstatt uns breitschlagen zu lassen, dem
Herrn der Schöpfung ein ordentliches, vor Fett triefendes Steak zuzubereiten.
Wir schauen „Desperate Housewives" in Endlosschleife, anstatt uns mit
aberwitzigen Cartoons zu quälen, über die ohnehin nur ein Mann lacht. Keine
Bartstoppeln im Waschbecken, keine Bierdosen-Pyramide in der Küche, keine
Chipskrümel auf der Couch! Wir sind vollkommen glücklich so alleine. Ob wir
uns das selbst glauben? Natürlich! Ein Artikel von Christin Otto.
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